Wichtig: Diese Folge ist keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung. Tony teilt seine Erfahrung und Sicht. Die Gesetzeszahlen unten haben wir am 18. Oktober 2026 anhand der offiziellen Texte geprüft, aber Ihre Lage hängt von Ansässigkeit, Struktur und Einkunftsart ab. Entscheiden Sie mit einer Fachperson.
Tony Maysky nennt sich „von Natur aus Startup-Jurist“. Er hat bei Sumsub gearbeitet, einem der größten KYC-Anbieter der Welt: Der Hauptsitz ist in London, aber laut Tony saßen die Entscheider auf Zypern. Heute hat er mit Kollegen Point Legal gegründet, eine Kanzlei für kleine Unternehmen, „die später groß werden“, und baut nebenbei ein Legal-AI-Produkt.
Im Gespräch mit Katerina geht es um drei Themen: warum Juristen in einem wachsenden Unternehmen zum Fass ohne Boden werden, wo KI Juristen hilft und wo sie erfindet, und warum Zypern für Gründer bequem ist. Am praktischsten ist der Teil über Veräußerungsgewinne: Unten vergleichen wir, was Tony sagt, mit dem, was im Gesetz steht.
Verträge: von einem Juristen auf zwanzig
In Tonys früherem Unternehmen kümmerte sich zuerst eine Person um Verträge, dann zehn, dann zwanzig, und auch zwanzig reichten nicht. Tony nennt das „ein wahnsinniges Cost Center“. Jeder neue Kunde bedeutet Vertragsprüfung, neue Entwürfe, Änderungswünsche des Kunden, Erklärungen, warum eine Klausel nicht geändert werden kann, das Verfolgen von Laufzeiten und Verlängerungen zu neuen Bedingungen.
Die Lösung war radikal: auf Flexibilität verzichten. Es gab vier Vertragsversionen, und jede Änderung wurde verboten. Dem Vertrieb wurde gesagt: „Das ist euer Maximum.“ Wenn alles „auseinanderläuft“, sagt Tony, ist es nicht mehr kontrollierbar. Katerina stimmt zu: Sind Ein- und Ausgabe festgelegt, versteht man jede Klausel; ständige Änderungen sind „rutschig, sogar gefährlich“.
Genau hier sieht Tony den Platz für KI: Ein gutes Modell mit RAG und klarem Prompt (was zu tun ist und was nicht) sollte Standardverträge bewältigen.
Legal AI: schneller, aber selbstbewusst falsch
Halluzinationen, erklärt Tony, liegen in der Natur von Sprachmodellen: Wir wollen mehr von ihnen als von einer Suchleiste, also fügt das Modell „eine Prise Fantasie“ hinzu. Deshalb muss das Ergebnis geprüft werden. „Gute Nachricht für Juristen: Noch wird niemand entlassen.“
Am riskantesten ist Fallrecht. Tony fragt ein Modell nach einem konkreten Fall, bekommt eine schlüssige Geschichte, prüft sie, und der Fall handelt von etwas ganz anderem. „Es hat sich alles ausgedacht, obwohl es eine präzise, konkrete Sache ist.“ Seine Schätzung: Ohne Kontext erkennt ein Modell etwa 80%, aber die übrigen 20% sind genau das, wofür Unternehmen Juristen bezahlen. Keine Versicherung gegen alles, sondern „ruhig schlafen können“.
Bei den Werkzeugen sind sich die beiden nicht einig:
- Tony nutzt ChatGPT viel und sieht kaum Unterschied zu Claude. Ihm gefällt, dass ChatGPT den nächsten Schritt vorschlägt; etwa 70% der Vorschläge nimmt er an.
- Katerina hält Codex derzeit für besser als Claude, weil Claude öfter „etwas leicht anderes“ macht als gewünscht.
- Harvey AI ist ein viel beachtetes Legal AI. Laut Tony basiert es auf ChatGPT mit großem Prompt und juristischer Wissensbasis, ist auf US-Recht ausgerichtet und nimmt keine neuen Nutzer auf. Der Zugang soll etwa $30.000 im Jahr kosten. Das ist Tonys Darstellung; wir haben sie nicht geprüft.
Warum englisches Recht präziser ist, als es scheint
Tonys überraschende These: Angloamerikanisches Recht ist bestimmter als deutsches, spanisches oder russisches. Kontinentales Recht liefert einen Gesetzesartikel, den man „so oder so auslegen kann“, und der Anwalt sagt „es kann so sein oder so“. Englisches Recht hat Tausende Präzedenzfälle, nicht weil das Gesetz schlecht geschrieben ist, sondern weil sie Nuancen erfassen. Darin findet man, wie ein Fall wie Ihrer gelöst wurde. Der Nachteil: Das System ist schwerer zu lernen, und gerade Präzedenzfälle lesen Modelle am schlechtesten.
Für Zypern ist das keine Theorie. Laut Tony gilt hier englisches Recht, und Investitionsverträge lassen sich danach schließen; das ist ein Grund, warum Zypern für Startups bequem ist.
Zypern für Gründer: was Tony sagt und was das Gesetz sagt
Tony hat etwa anderthalb Jahre auf Zypern gelebt. Seinen Worten nach war Zypern früher eine Offshore-Zone und gilt heute nicht mehr als solche, weil die Steuern hier nicht null sind wie auf den Kaimaninseln. Dann nennt er mehrere Sätze. Wir haben sie mit dem Gesetz 2026 abgeglichen:
| # | Was Tony sagt | Was heute im Gesetz steht |
|---|---|---|
| 1 | Körperschaftsteuer „sind jetzt, glaube ich, 15%“ | Richtig: 15% ab 2026, statt 12,5% |
| 2 | IP Box „zweieinhalb“ | Veraltet: 80% des qualifizierenden IP-Gewinns werden abgezogen; bei 15% ergibt das etwa 3% auf diesen Gewinn, nicht auf alle Einkünfte |
| 3 | Angestellte: progressiv, „über 20.000“, Spitzensatz 35% | Der steuerfreie Betrag liegt jetzt bei €22.000, dann 20%, 25%, 30%; 35% auf Einkommen über €72.000 |
| 4 | „Plus Sozialversicherung“ | Ja: Angestellte zahlen 8,8% Sozialversicherung und 2,65% GeSY |
| 5 | „Hier gibt es keine Capital Gains Tax“ | Fast: für Anteile ja, für Immobilien nein (siehe unten) |
Einzelheiten, Abzüge und Übergangsregeln stehen in unseren Leitfäden Steuerreform Zypern 2026 und Steuern auf Zypern: Einkommensteuer, GeSY und Abzüge. Zur Gründung: Firmengründung auf Zypern.
Veräußerungsgewinne: womit Gründer wirklich Geld verdienen
Tonys Kernaussage: Startup-Gründer verdienen nicht am Umsatz. Der Umsatz ist „ein Zusatzpreis“: Steuern zahlen, Gewinn behalten, zurück ins Unternehmen stecken oder „sich einen Ferrari kaufen“. Das echte Geld ist der Wertzuwachs des Anteils, der Capital Gain.
So funktioniert das „Schwungrad“ laut Tony:
- Das Unternehmen wächst; eine Armee von Vertriebsleuten treibt den Umsatz.
- Die Bewertung wird aus EBITDA mal Multiplikator berechnet. In gefragten Branchen wie KI kann der Multiplikator ×10 erreichen.
- Venture-Fonds achten weniger auf die Einstiegsbewertung als auf Wachstum. Nach zwei Jahren steigen sie vielleicht mit ×5 aus. Manche Firmen scheitern, aber erfolgreiche Deals mit ×3–5 decken die Verluste.
- Gründer starten mit 100% und verkaufen das Unternehmen in jeder Runde Stück für Stück. „Investoren legen Geld hinein, Gründer nehmen Geld heraus“, auf Basis einer Bewertung, die „nur im Kopf“ existiert.
Und hier, sagt Tony, ist Zypern besonders: Der Gewinn aus dem Anteilsverkauf wird mit 0% besteuert, während man „fast in jedem europäischen Land eine Capital Gains Tax hat“.
Wie es im Gesetz geregelt ist
Für ein typisches Startup hat Tony recht, mit einer wichtigen Einschränkung:
- Aktien und andere Wertpapiere. Abschnitt 8(22) des Einkommensteuergesetzes stellt „Gewinne aus der Veräußerung von Wertpapieren“ steuerfrei. Als Wertpapiere gelten Aktien, Anleihen und andere Titel von Gesellschaften, zyprischen oder ausländischen, sowie Rechte daran. Der Verkauf eines Anteils an einer Tech-Firma in einer Finanzierungsrunde oder beim Exit fällt darunter.
- Immobilien sind die Ausnahme. Das Capital-Gains-Tax-Gesetz erhebt 20% auf Gewinne aus dem Verkauf von Immobilien auf Zypern und von Anteilen an Gesellschaften, die sie halten. Für indirekte Beteiligungen gilt eine Schwelle: Mindestens 20% des Marktwerts der Anteile müssen aus zyprischen Immobilien stammen. Einzelheiten: Immobiliensteuern auf Zypern: MwSt und CGT.
- Dividenden sind kein Veräußerungsgewinn. Wird Ihnen der Unternehmensgewinn als Dividende ausgeschüttet, zahlen domizilierte Steueransässige 5% SDC, auf Dividenden aus Gewinnen bis 2025 17%. Qualifizierte Non-Doms sind von der SDC befreit. Bedingungen und 60-Tage-Regel: Non-Dom-Status auf Zypern.
- Ansässigkeit. Das alles gilt, wenn Sie in Zypern steueransässig sind. Das Land, aus dem Sie wegziehen, kann den Gewinn beim Wegzug besteuern, Deutschland zum Beispiel mit der Wegzugsbesteuerung: siehe GmbH und Wegzugsbesteuerung beim Auswandern. Prüfen Sie beide Länder vor dem Anteilsverkauf, nicht danach.
Aktienoptionen und IPO: eine Karotte, die vielleicht nie reift
Das letzte große Thema sind Aktienoptionen. Tony nennt sie „eine psychologische Falle“: Man hängt Ihnen eine Karotte vor die Nase, also ertragen Sie, was Ihnen nicht gefällt. Bis man mit einer Option Geld verdient, vergehen etwa fünf Jahre. Danach können die Aktien bis zum IPO gesperrt sein, und der IPO findet vielleicht nie statt: Viele Gründer mögen es, dass ihr Unternehmen privat ist und ihnen gehört. Auch die Investoren sitzen da und warten.
Katerina erzählt, dass ihr jetziges Unternehmen nach einem Jahr Token oder Optionen verspricht, ihr Gehalt aber in Ordnung ist, sodass sie sich keine Sorgen macht. Tonys Fazit: „Nicht warten, nicht festklammern, nicht hoffen, sondern trotzdem sein Leben leben.“
Was sich bei Optionen auf Zypern geändert hat
Seit 2026 gibt es im Gesetz einen ermäßigten Satz von 8% auf Einkünfte aus Mitarbeiteroptionen und -aktien (Abschnitt 20Δ). Die wichtigsten Bedingungen:
- der Steuerkommissar genehmigt den Plan;
- Vesting von mindestens drei Jahren, vorher dürfen Aktien oder Optionen nicht übertragen werden;
- ein Ausübungspreis von mindestens 50% des Marktwerts am Genehmigungstag;
- Obergrenzen von zwei Jahresgehältern beim selben Arbeitgeber und €1.000.000 in rollierenden zehn Jahren; der Überschuss wird normal besteuert.
Wenn Ihnen Optionen versprochen werden, fragen Sie, ob der Plan nach Abschnitt 20Δ genehmigt ist. Einzelheiten: Steuerreform Zypern 2026.
Geld, Stress und Natur
Noch eine Beobachtung von Tony: Die reichsten Menschen in seinem Umfeld von Venture-Investoren sind „furchtbar nervöse“ Menschen mit schweren persönlichen Geschichten. Sein Rezept: gute Psychotherapeuten. Zum Schluss sagt er, was er an Zypern liebt: die Natur und die Berge.
Kapitel
00:00— Tony Maysky: Recht, Steuern, AML und Streitigkeiten00:13— Ein wichtiger Hinweis00:45— Sumsub, KYC und juristische Arbeit auf Zypern01:35— Point.Legal und Rechtsdienstleistungen für Unternehmen02:37— Contract Management: warum Verträge zum Engpass werden05:11— KI, RAG und Kontext: wo LLMs Juristen helfen06:53— ChatGPT, Claude und Codex im Arbeitsalltag07:49— Harvey AI und Legal Tech für Juristen09:27— Englisches Recht, Common Law und Vertrauen in juristische Antworten13:00— Zypern: Steuern, Unternehmen und die IP Box19:02— Geld, Stress und Unternehmer19:44— Aktienoptionen, IPO und warum man nicht im Warten leben sollte21:33— Zypern als Ort zum Leben
Häufige Fragen
Gibt es auf Zypern eine Kapitalertragsteuer auf Veräußerungsgewinne?
Ja, aber eng begrenzt. Die Capital Gains Tax von 20% betrifft Immobilien auf Zypern und Anteile an Gesellschaften, die solche Immobilien halten. Gewinne aus der Veräußerung von Wertpapieren (Aktien, Anleihen und Rechte daran) sind nach Abschnitt 8(22) des Einkommensteuergesetzes steuerfrei. Der Verkauf eines Anteils an einem gewöhnlichen Tech-Startup ist für in Zypern Steueransässige daher in der Regel steuerfrei.
Wie hoch ist die Körperschaftsteuer auf Zypern 2026?
15% ab 2026, zuvor 12,5%. Bei der IP Box werden 80% des qualifizierenden IP-Gewinns abgezogen; effektiv ergeben sich etwa 3% auf diesen Gewinn, nicht auf alle Unternehmenseinkünfte.
Wie werden Mitarbeiteroptionen auf Zypern besteuert?
Seit 2026 gilt ein ermäßigter Satz von 8% für vom Steuerkommissar genehmigte Pläne: mindestens drei Jahre Vesting, Ausübungspreis mindestens 50% des Marktwerts, Obergrenzen von zwei Jahresgehältern beim selben Arbeitgeber und €1.000.000 in zehn Jahren. Der Rest wird als normales Einkommen besteuert.
Kann ich die Folge als Steuer- oder Rechtsanleitung nutzen?
Nein. Die Folge ist keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung. Prüfen Sie vor Entscheidungen die aktuellen Regeln mit einer Fachperson für Ihre Situation.
Quellen
- Video und Untertitel — YouTube, 2026-05-29. Die Folge ist auf Russisch.
- Einkommensteuergesetz 118(I)/2002, konsolidierte Fassung: 15%, Abschnitt 8(22), Abschnitt 20Δ (geprüft am 18. Oktober 2026).
- Capital-Gains-Tax-Gesetz 52/1980, konsolidierte Fassung.
- Finanzministerium Zypern: Steueranreize, IP.
Die Folge besprechen und Fragen an künftige Gäste vorschlagen können Sie in der Telegram-Gruppe von expats.cy.